Der Affengott Hanuman ist so etwas wie der Superman in der hinduistischen Götterwelt. Indische Kinder lieben die Geschichten, die über ihn erzählt werden. Auch unser Sohn war in seiner Kindheit von Hanuman begeistert.
Mit seiner Kraft, seinem Mut und seiner Hingabe zu Lord Ram bekämpft er im hinduistischen Epos Ramayana schreckliche Dämonen und rettet seine Freunde.
Nachdem Sita, die Frau von Lord Ram, vom bösen Dämon Ravana nach Lanka entführt worden war, unterstützte Hanuman seinen göttlichen Freund mit seiner Affenarmee, um gegen die dämonische Armee Ravanas zu kämpfen.
Auch Lakshman, der Bruder von Ram, unterstützte die Armee seines Bruders und hier beginnt die Geschichte “Vom Berg voller Hoffnung – wie Hanuman Lakshman rettete”:
Die Schlacht auf Lanka tobte mit unvorstellbarer Härte. Das Heer von Lord Ram, unterstützt von Hanuman und seiner Affenarmee, kämpfte erbittert gegen die dämonischen Horden des Königs Ravana. Lange Zeit schien das Glück auf der Seite der Gerechten zu stehen. Doch als die Dämonen zu wanken begannen, griff Ravanas gefürchteter Sohn, der magische Krieger Meghnad, in den Kampf ein. Als Meister aller Kriegsführung überschüttete er das Schlachtfeld mit einem unendlichen Pfeilregen, der die Affenarmee zum Stillstand brachte.
Als Hanuman sah, wie seine Gefährten litten, entbrannte in ihm ein gewaltiger Zorn. Mit übermenschlicher Kraft riss er einen ganzen Berggipfel aus der Erde und schleuderte ihn Meghnad entgegen. Sofort erhob sich dieser mit seinen magischen Kräften in den Himmel. Hanuman und Lakshman, Rams tapferer Bruder, schlossen sich zusammen und setzten sie dem Dämonen zu.
Meghnad erkannte, dass Lakshman nicht leicht zu besiegen war, und zog seine tödlichste magische Waffe. Mit einem verheerenden Treffer traf der Pfeil Lakshman mitten in die Brust, und er brach bewusstlos zusammen.
Das Lager von Lord Ram versank in tiefer Bestürzung und Trauer. Selbst Ram, die Verkörperung göttlicher Stärke, war vom Schmerz über seinen leblosen Bruder gelähmt. In dieser dunklen Stunde wurde der weise Heiler Sushena gerufen. Nach einer kurzen Untersuchung erklärte er, dass es nur eine einzige Hoffnung gäbe:
Nur das magische Sanjivani-Kraut, das ausschließlich auf dem Berg Dronagiri im fernen Himalaya wuchs, könne Lakshmans Leben retten. Doch es musste vor dem Morgengrauen verabreicht werden, bevor die ersten Sonnenstrahlen den Horizont berührten.
Ohne einen Moment zu zögern, bot sich Hanuman für diese unmögliche Mission an. Er nahm seine gigantische Gestalt an, stieß einen gewaltigen Ruf aus und sprang mit einem Satz in die Lüfte. Mit der Geschwindigkeit des Windes durchstieß er die Wolken und flog gegen Norden. Die Zeit war sein erbarmungsloser Gegner.
Ravana entsandte gleichzeitig den listigen Dämon Kalanemi, um Hanuman aufzuhalten. Kalanemi verkleidete sich als ein heiliger Einsiedler und errichtete einen falschen Ashram auf Hanumans Weg. Er lud Hanuman ein, dort zu rasten und sich zu stärken. Er forderte Hanuman auf, Wasser aus dem nahegelegenen See zu trinken. In dem Moment, als Hanuman einen Schritt in den See setzte, griff ihn ein Krokodil an.
Der Affengott befreite sich und tötete das riesige Tier. Darauf stieg ein göttliches Wesen aus dem toten Körper und warnte: “Vielen Dank, dass du mich vor dem bösen Fluch befreit hast. Pass auf dich auf! Der heilige Einsiedler ist ein Dämon.” Darauf besiegte Hanuman, den Dämon und ohne wertvolle Zeit zu verlieren, flog er weiter in Richtung des Himalayas.
Nach endlosem Flug erreichte Hanuman schließlich die schneebedeckten Berge und den leuchtenden Berg Dronagiri. Doch hier stand er vor einem neuen, verzweifelten Problem: Der ganze Berg war über und über mit leuchtenden Heilkräutern bedeckt, aber er wusste nicht, welches davon das rettende Sanjivani war.
Der Heiler Sushena hatte es ihm beschrieben, aber im Mondlicht und in seiner Eile konnte Hanuman es nicht sicher identifizieren. Die Zeit drängte unbarmherzig, und die Angst um Lakshman lastete schwer auf seinem Herzen.
In diesem Moment, als alle Hoffnung verloren schien, traf Hanuman eine Entscheidung, die seine Legende für immer begründen sollte. Er rief sich ins Gedächtnis, dass er dem Dienst an Lord Ram gewidmet war und dass nichts unmöglich sein durfte. Er rief aus: „Wenn ich das Kraut nicht finden kann, dann bringe ich eben den gesamten Berg zum Heiler!“
Hanuman legte seine gewaltigen Hände unter das Fundament des Berges, spannte jeden Muskel an und hob mit einem markerschütternden Schrei den gesamten Berggipfel in die Luft. Mit dem Berg auf seiner ausgestreckten Hand flog Hanuman im Siegesflug zurück nach Lanka.
Die Bewohner der Insel, Dämonen wie Affen, blickten staunend empor, als ein fliegender Berg am nächtlichen Himmel vorbeizog. Dieser Anblick erfüllte die Dämonen mit Furcht und die Affen mit neuer Hoffnung.
Gerade als sich der Himmel im Osten aufzuhellen begann, landete Hanuman sicher bei Sushena. Der Heiler eilte herbei, pflückte das leuchtende Sanjivani-Kraut vom Berg und zerrieb es. Er hielt das heilende Kraut unter Lakshmans Nase. Augenblicklich begannen sich Lakshmans Lungen zu füllen, die Farbe kehrte in sein Gesicht zurück, und er schlug die Augen auf. Er erhob sich, als wäre er nur aus einem tiefen, traumlosen Schlaf erwacht.
Durch Hanumans unerschütterliche Hingabe, seinen Mut und seine Bereitschaft, das Unmögliche zu tun, war die Armee von Lord Ram wieder vereint und bereit, den Kampf gegen das Böse bis zum finalen Sieg fortzusetzen. Die Geschichte von Hanumans Flug und der Rettung Lakshmans wird bis heute als Beweis dafür gefeiert, dass Kraft, wenn sie mit Liebe und Hingabe gepaart ist, keine Grenzen kennt.
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