Die Medikamentenabgabe überzeugt mich in Indien voll und ganz. Problemlos kann man hier in einer Apotheke eine einzelne Kopfweh- oder Halswehtablette kaufen, und nach einem Arztbesuch bekommt man beim Apotheker die abgezählten Tabletten, die verschrieben wurden. Es bleibt also nichts übrig, nichts muss entsorgt werden und man bezahlt exakt für die Menge, die man benötigt.
Was ich zunächst etwas befremdlich fand, war der fehlende Beipackzettel in Mikroschrift. In der Schweiz habe ich da jeweils kurz hineingeschaut und danach ängstlich gedacht, dass man dieses Medikament mit all den aufgeführten Nebenwirkungen eigentlich gar nicht schlucken sollte. Also: Was soll’s! Inzwischen kann ich dieses Kleingedruckte ohne Lesebrille ohnehin nicht mehr entziffern und im Internet lassen sich, falls nötig, all die Informationen problemlos googeln.
Dieses System macht nicht nur aus spartechnischen Gründen Sinn, sondern vor allem auch aus ökologischen. Wenn ich an die vielen Medikamente denke, die in den sogenannten Wohlstandsnationen einfach im Müll landen! Selbst wenn sie beim Apotheker zur vorbildlichen, fachgerechten Entsorgung zurückgebracht werden, ist dies im Grunde genommen ökologischer Schwachsinn.
Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich hörte, dass die Tessiner Apotheker in der Schweiz beschlossen haben, Antibiotika nur noch abgezählt abzugeben. Da jammert ganz Helvetien ständig über hohe Gesundheitskosten und die exorbitanten Medikamentenpreise, und man kommt nicht auf diese simple Idee.
Doch im Verlauf des Berichts sträubten sich mir die Haare. Der Kranke muss nämlich weiterhin die ganze Packung bezahlen und erhält dafür lediglich seine abgezählten Tabletten. Die überzähligen, einwandfreien Reste werden, sobald klar ist, dass der Kunde die Behandlung nicht weiterführen muss, entsorgt. Ja, entsorgt! Ist das nicht unfassbar? Und nun rühmen sich die Apotheker auch noch damit, dass dadurch etwas gegen die Antibiotikaresistenz getan wird.
Da sitze ich im fernen Indien, einem Schwellenland mit vielen großen Problemen, und verstehe für einen Augenblick die Welt nicht mehr.
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5 Antworten
Das ist wirklich entsetzlich, wie viel wir hier in Europa verschwenden und das wirklich überall. Ich habe in meinem Kasten tatsächlich Tabletten, die mein Mann oder ich vor Jahren schon gebraucht haben, mal ein Antibiotikum mal starke Schmerzmittel. Die landen dann sicherlich irgendwann im Müll 😥 die Lösung aus der Schweiz ist doch gar keine Lösung. Es können von Hersteller selber Vorschläge kommen, vielleicht kleinere Packungen zum kleineren preis. Aber da bekommt man wahrscheinlich zu hören:ach , es lohnt sich doch nicht , besser bezahlen und später wegschmeißen 😥ach Irène, manchmal staune ich auch, wie seltsam alles ist 🤷🏻♀️
Ja, dabei wäre es eigentlich einfach. Aber solange die Pharmaindustrie so einen großen Einfluss auf die Politik ausübt und nur Gewinnmargen im Kopf hat, wird sich leider kaum was ändern.
Ich habe Hoffnung, dass wir alle Umdenken und anders handeln werden! Einiges tut sich gerade in positive Richtung beim Plastik – das freut mich sehr !!!
Sehr interessante Information!
🙏