Ein neuer Gaszylinder ist bestellt und der leere wartet seit vielen Tagen darauf, abgeholt und umgetauscht zu werden.
Die tropischen Temperaturen bleiben weiterhin hoch und steigen regelmäßig über 36 Grad, die sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit wie 40+ anfühlen. Auf meinem Computer steht jeden Tag aufs Neue: “hot days ahead”
Ich bin froh, in meinem klimatisierten Büro zu sitzen. Ich hasse den indischen Sommer, wo es scheint als ob man die schwere, feuchte Luft in Würfel schneiden könnte.
Die Stromausfälle sind wieder häufiger geworden. Mit den hohen Temperaturen steigt auch der Stromverbrauch deutlich an.
Bis jetzt kam unsere Kochplatte, die wir vorsichtshalber bestellt haben, noch nicht zum Einsatz, aber wenn man Restaurants besucht, ist die Energieknappheit spürbar.
Die Wartezeit auf die Kochgas-Zylinder ist zwar länger geworden, aber hier in Chennai funktioniert es noch mit den Lieferungen für Privathaushalte. Wenn man draußen isst, spürt man die Energiekrise gut. Mein geliebtes Masala-Dosai ist in der Regel nicht verfügbar und die Restaurants konzentrieren sich auf “energiearme” Menüs. Viele Restaurants haben auf Elektroherde oder Holzfeuer umgestellt, denn Kochgas für die Gastronomie ist sehr teuer und knapp.
Der überraschende Regierungswechsel hier in Tamil Nadu ist immer noch in aller Munde. Der Schauspieler Vijay ist mit seiner neu gegründeten Partei TVK neuer Chief Minister und stellt momentan eine komplett neue Regierung zusammen.
Doch wer in diesen Tagen die Nachrichten in Indien verfolgt, kommt auch am Thema Energiekrise nicht vorbei.
Viele indische Fluggesellschaften haben die Flugpreise erhöht und ihre Flüge auf ein Minimum reduziert. Viele Flugstrecken sind nur noch eingeschränkt verfügbar.
In den jüngsten Reden nimmt unser Premierminister Modi kein Blatt vor den Mund. Sein Appell: “Energy Saved is Energy Generated.” Modi ruft zu einer neuen Volksbewegung auf. Durch die Blockaden in der Straße von Hormus sind die Importpreise für Öl und Gas massiv gestiegen. Die klare Ansage der Regierung: Wir müssen unseren Verbrauch drosseln, um die Wirtschaft stabil zu halten.
Das Spannende daran ist die Wortwahl: Energiesparen wird nicht als “Verzicht” verkauft, sondern als Akt des Patriotismus. Wer das Licht ausschaltet, hilft dem Land.
Seine fünf Tipps sind für jeden verständlich:
1. Die 24-Grad-Regel: Klimaanlagen sind die größten Stromfresser. Jedes Grad mehr spart bares Geld und entlastet das Stromnetz spürbar. 24°C ist oft der “Sweet Spot” zwischen Komfort und Effizienz.
2. Licht aus, Vorhang auf: Es klingt banal, aber in vielen Haushalten brennen Lampen in leeren Räumen. Nutzen wir das indische Sonnenlicht, wo es nur geht, und steigen wir konsequent auf LED-Technik um.
3. Kochen mit Köpfchen: Da die Preise für Gaszylinder (LPG) steigen, lohnt es sich, den Schnellkochtopf öfter zu nutzen und die kostbaren Flammen sparsam zu verwenden.
4. Smart Commuting: Müssen wir wirklich für jede Erledigung das Auto oder den Scooter nehmen? Fahrgemeinschaften oder der Umstieg auf die Metro entlasten nicht nur den Geldbeutel, sondern reduzieren den nationalen Bedarf an teurem Import-Benzin.
5. Digital First: Wenn dein Job es zulässt, ist Home-Office jetzt wieder ein echtes Thema. Jeder Kilometer, der nicht gefahren wird, hilft der indischen Handelsbilanz.
Schließlich kommt er in seiner Rede auch noch aufs Gold, das inzwischen exorbitante Preise erreicht hat. Seine Bitte an die Landsleute, im Moment kein Gold mehr zu kaufen, um so die Wirtschaft zu schützen und die Inflation abzumildern, führte zu großem Erstaunen.
Es ist nicht erstaunlich, dass ein paar Tage danach die Benzin- und Dieselpreise um 3 Prozent angehoben werden – das war zu erwarten.
Die aktuelle Krise fordert uns heraus, unsere Gewohnheiten zu überdenken. Vielleicht ist dieser erzwungene Sparkurs genau der Anstoß, den wir brauchen, um nachhaltiger zu leben. Es geht nicht darum, im Dunkeln zu sitzen, sondern bewusst mit dem umzugehen, was wir haben.
Wie geht ihr mit der aktuellen Situation um? Habt ihr auch schon angefangen, bewusster mit unseren Energien umzugehen?
Namaste, ich bin Irène! Seit über 17 Jahren lebe ich in meiner Wahlheimat Indien. In dieser Zeit habe ich die indische Kultur lieben gelernt. Auf meinem Blog teile ich mein Insider-Wissen mit dir, damit du Indien authentisch, sicher und voller Respekt entdecken kannst. Hast du Fragen? Schreib mir einfach einen Kommentar! |