Regelmäßig streifen Affenbanden durch unser Quartier. Es sind die braunen Makaken, eine häufige Affenart in Indien, die regelmässig vorbeikommen. Meistens sind es fünf bis acht Affen, die gemeinsam unterwegs sind, um Nahrung zu suchen. Steht ein Haus offen, gehen die frechen, neugierigen Kerlchen einfach hinein, holen sich Essbares und stellen allerhand Schabernack an. Besonders bei meinen Schwiegereltern, wo tagsüber die Türen immer weit offen stehen, haben die Affen schon einiges erbeutet. Bananen und Kokosnüsse vom Hausaltar, und einmal sind sie sogar frech in die Küche geschlichen und haben einen Behälter mit Dal stibitzt!


Die Affen in Indien zeigen keinen großen Respekt vor den Menschen – und auch Hunde können sie kaum beeindrucken. Wenn unsere beiden Hunde, Simba und Züttu, wie verrückt bellen, weiß ich: Die Affenbande ist wieder da. Simba und Züttu, unsere adoptierten Straßenhunde, gehen zwar mutig voran und verbellen die Eindringlinge, aber die Affen lassen sich nicht so leicht vertreiben. Sie fletschen drohend mit ihren langen Zähnen und zeigen klar: „Hier sind wir die Chefs!“ Da muss ich schon mit einem langen Stock zu Hilfe eilen, um die Racker in die Flucht zu schlagen.
Mein Dachgarten, wo ich mit viel Herzblut Blumen und Kräuter ziehe, wurde von den Affen schnell entdeckt. Meine anfänglichen Versuche, Gemüse zu ziehen, gab ich aus diesem Grund schnell wieder auf, denn die Affen probierten sich ungeniert durch mein mühsam Angepflanztes. Sogar meine Rosen und Studentenblumen ließen sie nicht in Ruhe und frassen die Blüten weg. Die jungen Bananenstauden, die Okras, Tomaten, Auberginen, … – alles wurde geplündert. Besonders ärgerlich war es, als sie meine ersten Limonen abgerissen haben. Das Motto “abreissen, einmal reinbeißen und den Rest achtlos wegwerfen“ zeigte sich als eine lange Spur von angebissenen Früchten, Gemüse, Blättern und Blüten.

Nicht einmal vor dem Wasser machen die schlauen Kerle Halt. Sie haben herausgefunden, wie man den Wasserhahn auf der Dachterrasse öffnet. Mit großer Selbstverständlichkeit betreiben sie sozusagen ihr eigenes Selfservice-Restaurant – Speis und Trank inklusive! Nach ihrer kleinen Erfrischung verschwinden sie natürlich ohne zu bezahlen.
So putzig und niedlich die Affen in Indien auch aussehen, darf man eines nicht vergessen: Sie sind wilde Tiere. Durch den ständigen Kontakt mit Menschen haben sie die Scheu verloren, was sie nicht nur frech, sondern manchmal auch gefährlich macht. Besonders wenn sie Drohgebärden zeigen – bei aggressivem Fletschen der Zähne oder dem Aufrichten des Fells – sollte man vorsichtig sein.

Direkter Blickkontakt sollte man vermeiden, denn das wird oft als Kampfansage gedeutet. Hier in Indien muss man zusätzlich aufpassen: Tollwut ist noch immer verbreitet, und ein Affenbiss kann lebensgefährlich werden. Affenbisse sind direkt nach Hundebissen die zweithäufigsten Tierbisse in Indien. Ein Affen- und natürlich auch ein Hundebiss braucht immer eine ärztliche Behandlung.
Nicht nur in Wohngebieten, auch an touristischen Orten haben Affen ihre Tricks perfektioniert. Sie greifen nach Tüten, Brillen und Handys – blitzschnell und dreist. Viele unterschätzen die Geschwindigkeit und Geschicklichkeit dieser Tiere – wer es einmal erlebt hat, wie blitzschnell ein Affe eine Tüte aus der Hand reißt, merkt sich das. Manche fordern einen regelrechten „Tauschhandel“: Ein geklautes Handy oder eine Sonnenbrille wird erst gegen einen Leckerbissen zurückgegeben. Deshalb: Alles sicher verstauen und am besten nichts in der Hand tragen.

An manchen Orten, beispielsweise in der Hauptstadt Delhi gibt es in zwischen richtig grosse Probleme mit Affen. Aus religiöser Verehrung zum Affengott Haunuman füttern viele Affenfreunde die Affen und haben dadurch ein grosses Problem geschaffen. Die Affen haben sich derart vermehrt, dass man inzwischen wirklich von einer Affenplage sprechen kann. Hier eine spannene Dokumentation dazu.
Besonders ärgert mich, wenn Menschen Affen füttern – Chips, Biscuits, alles, was nicht in Affenmägen gehört. Trotz Verbotsschildern setzen sich viele darüber hinweg. Diese unüberlegte Freundlichkeit macht die Tiere abhängig, aggressiv und fordernd.
Hinzu kommt die traurige Selfie-Manie: Manche wollen den perfekten Schnappschuss mit einem Affen ergattern und gehen dabei viel zu nah heran. Dabei wird oft vergessen, dass Affen unberechenbar sind. Die ganzen Probleme, die es durch Affen gibt, schulden wir nur einer Spezies – nämlich dem Menschen.
Doch trotz aller Streiche und Ärgernisse faszinieren mich Affen. Ihre Intelligenz, ihr sozialer Zusammenhalt und ihre Spielereien berühren mich. Besonders liebe ich es, Affenmütter und ihre Jungen zu beobachten – eine Erziehung, die unserer so ähnlich ist.

Obwohl sie mich manchmal nerven, möchte ich sie nicht missen. Für mich sind die Affen auch nach 15 Jahren immer noch etwas Besonderes – wie ein kleiner Privatzoo im eigenen Garten.