Ein Hoffnungsschimmer am Horizont? Ob mein Liebster mich heute, am Valentinstag in ein Restaurant ausführt oder ob ich einen Rosenstrauss bekomme? Viele Inderinnen und Inder sind der Romantik oder sogar der übertriebenen Bollywood-Romantik nicht abgeneigt. Bollywood und auch Kollywood (die Filmindustrie in Tamil Nadu) machen dies im großen Stil vor. Nur mein Mann ist leider davon gefeit!
Also Bollywood-Romantik brauche ich definitiv nicht, aber etwas romantischer dürfte mein Mann nach meinem Geschmack durchaus sein. Obwohl der Valentinsbrauch inzwischen längst aus dem Westen nach Indien übergeschwappt ist, findet er den Valentinstag nur doof und eine große Geschäftemacherei. Bereits seit Anfang Februar kann man ganz einfach per App rote Rosen, Schokolode und verschiedene kitschige Gift for her and him auf Knopfdruck bestellen. Abgesehen davon glaubt mein Mann auch, dass es unnötig ist, dieses „westliche“ Brauchtum in Indien zu feiern. Ganz unrecht hat er damit nicht, das muss ich eingestehen, denn die riesige Kommerizalisierung, die nun auch in Indien stattfindet, kann man nicht von der Hand weisen.
Aber welche Frau mag es nicht, ein Zeichen der Liebe, der Zuneigung von ihrem Liebsten, zu erhalten? Ich jedenfalls bin dafür immer zu haben – ja, warum nicht auch am Valentinstag!
Es gibt tatsächlich Grund zur Hoffnung, denn laut der hinduistischen Mythologie existiert scheinbar eine Geschichte, die zeitlich ungefähr auf den Valentinstag fallen könnte. Oder war es nur ein kluger Geschichtenschreiber, der das Valentins-Business in Indien weiter antreiben möchte?
Wie auch immer … Mir wurde diese Geschichte per WhatsApp zugetragen, und da sie sich so schön in meinen Blog einfügt, möchte ich sie euch nicht vorenthalten.
Das Wettrennen und die süße Versöhnung
Erinnert ihr euch noch an das Wettrennen um die Welt? Der weise Narada kam mit der göttlichen Frucht auf den Berg Kailash. Beide Söhne von Lord Shiva und Parvati wollten diese natürlich haben. Schließlich entschied Lord Shiva, dass ein Wettrennen um die Welt stattfinden solle. Der Gewinner würde die Frucht erhalten.
Während Murugan eilig auf seinem Pfau um die Welt flog, umrundete Ganesha einfach seine Eltern, die für ihn die Welt bedeuten. Durch diese Weisheit gewann Lord Ganesha die wertvolle Frucht und sein Bruder Murugan verlor das Rennen. Diese Niederlage konnte Murugan nicht so leicht wegstecken und ging in den Süden, um in den Palani-Hills zu meditieren. Die ganze Geschichte könnt ihr hier nachlesen.
Als Lord Murugan nach dem Frucht-Fiasko endlich nach Hause zurückkehrte, beschloss sein Bruder, für ihn ein großes Fest auszurichten. Murugan akzeptierte dies jedoch nur unter einer Bedingung: Der weise Götterbote Narada durfte nicht eingeladen werden. Schließlich war dieser für die Spannungen und Streitigkeiten zwischen den Brüdern verantwortlich.
Eine riesige Feier fand zu Ehren von Lord Murugan statt. Die gesamte hinduistische Götterwelt feierte, nur Narada war nicht eingeladen. Dieser fühlte sich ausgeschlossen und traurig. Nach dem Fest ging er zu Gott Brahma und beklagte sich darüber. Doch Brahma meinte nur, dass er ihm nicht helfen könne, aber er solle seine Frau Saraswati um Rat fragen.
Die Göttin Saraswati sah Narada an und sprach: „Sohn, du hast das Richtige getan, aber du hast Lord Murugan damit sehr beleidigt. Es ist nicht einfach für ihn, dir zu vergeben. Lade ihn ins Restaurant Nalabaha zum Essen ein und versichere dich, dass er viele süße Früchte bekommt. So wird sich sein Ärger dir gegenüber auflösen.“
Narada verbeugte sich und dankte der Göttin Saraswati für den guten Rat. Sofort buchte er im Restaurant Nalabaha einen Termin und lud Murugan offiziell ein. Das Treffen fand am ersten Tag des tamilischen Monats Maasi (Mitte Februar) statt. Narada war sich sicher, dass Murugan nach Thaipusam, einem Fest zu Murugans Ehren, das immer im vorherigen Monat Thai stattfindet, gut gelaunt sein werde.
Narada brachte fünf seltene und wunderbar reife Früchte mit und übergab diese dem Küchenchef. Ein großartiges Essen wurde aufgetischt und Murugan war sehr zufrieden. Doch da bat Narada den Küchenchef, die Früchte als Nachspeise zu servieren. Mit viel Liebe bereitete der Koch diese mit Jaggery (unraffiniertem Zucker) und Ghee (geklärter Butter) zu.

Murugan war beeindruckt und zufrieden. „Narada, dies ist ein bedeutsamer Tag für mich. Ich hatte ein ausgezeichnetes Essen und einen großartigen Nachtisch. Ich möchte, dass dieser Tag immer in Erinnerung bleibt. Auch wenn man große und gegenseitige Liebe zueinander empfindet, können Missverständnisse diese trüben und Beziehungen spalten. Dies wird der Tag sein, an dem man wieder ins Reine kommt und die Liebe wieder aufblühen lässt. Diese herrliche Nachspeise soll von nun an in meinem Namen als Prasadam (von Gott gesegnete Speise) verteilt werden.“
Aus diesem Grund wurde das Dessert „Panchamirtham“ zu einer berühmten Opfergabe in allen Murugan-Tempeln.
Valentinstag auf Indisch?
Was denkt ihr? Wie stehen meine Chancen am 14. Februar in einem guten Restaurant zu sitzen? Immerhin gibt es jetzt eine „mythologische“ Grundlage, die ich meinem Mann präsentieren kann.
8 Antworten
Bin mir nicht sicher, ob es dem Gatten als Grundlage ausreicht, aber einen Versuch ist ja wert 😉 Viel Glück dabei und Grüße nach Chennai
Mal sehen was das 2022 bringt 😉! Liebe Grüße nach Berlin 🌺
Was für eine schöne Geschichte. Mein Mann ist auf dem „Romantik-Ohr“ leider auch eher taub 🙂
🤣 von dieser Sorte gibt es eindeutig mehrere Exemplare 😉! LG
Wenn ich als Mann auch mal dazu was sagen darf: Ja, wir hassen Valentinstag. Weil das dann gleich in so einen Zwang ausartet. Entscheidend sind doch die restlichen 364 Tage.
Das ist natürlich eine miese Ausrede für alle, die Valentinstag vergessen haben. Zum Glück habe ich eine Frau gefunden, die keinen Wert auf diese Art Romantik legt. Aber über ab und zu Blumen freut sie sich trotzdem, das hab ich schon gemerkt…
Viele Grüße
Marco
Hi Marco, danke für deine Nachricht. Ich sehe dies ähnlich. Der Valentinstag ist wirklich fast zum Zwang geworden. Ich kenne meinen Mann inzwischen und nehme dies gelassen. (Was mich jedoch nicht davon befreit- ihn jedes Jahr ein Bisschen damit aufzuziehen. ) Wir haben beide gleichzeitig sogar schon unseren Hochzeitstag vergessen 😉! Nicht so tragisch. Wie du sagst, das Jahr hat 365 Tage …
Liebe Grüße aus Chennai Irène
Also, ich bin ja auch ein erfolgreicher Valentinstag-Verweigerer. Da habe ich vollstes Verständnis für deinen Mann. Auf der anderen Seite muss man als Valentinstag-Verweigerer genügend andere romantische Events schaffen. Ich hoffe er macht das auch.
Wahrscheinlich habe ich auch durch den langen Lockdown etwas Nachholbedarf. Liebe Grüße aus Chennai Irène