Um geistig fit und aktiv zu bleiben, ist es wichtig, sich immer wieder mit neuen Lerninhalten zu konfrontieren. Lebenslanges Lernen ist das beste Training dafür. Tanzen, das Erlernen eines Instruments oder eine neue Sprache eignen sich anscheinend besonders.
Das passt gut zu meinem Vorsatz von 2019. Also Back to Tamil! Mein Vorhaben, wieder Tamilstunden zu nehmen, lag zwar fast ein halbes Jahr im Winterschlaf, d. h. im subtropischen Siesta-Schlummer, aber seit dieser Woche müssen sich meine grauen Hirnzellen, trotz Sommerhitze, wieder anstrengen. Karthik, mein Privatlehrer, kommt nun jeden Wochentag für eine Stunde vorbei und unterrichtet mich. Ganz neu ist dies für mich nicht, denn ich habe immer wieder Versuche unternommen, Tamil zu lernen.
Doch leider kam immer wieder etwas dazwischen, sodass ich nicht kontinuierlich dranbleiben konnte.
Ich staune dieser Tage über mich selbst. Das Tamil-Alphabet, das ich 2006 einmal gelernt hatte, aktiviert sich fast wie von selbst. Dass ich dies mit so einer Leichtigkeit bewältige und mich noch so gut erinnere, hätte ich nicht gedacht. Auch mein Wortschatz ist gar nicht so klein, wie ich gedacht hätte.
Tamil ist eine Silbenschrift und besteht aus 247 Schriftzeichen. Die 12 Vokale und 18 Konsonanten werden zu 216 weiteren Buchstaben kombiniert, und ein spezieller Buchstabe, der aus drei Punkten besteht, rundet das ganze Alphabet ab.
Da nicht jeder Laut, beispielsweise das H, im Tamil-Alphabet vorkommt, werden zusätzlich noch einige Buchstaben aus dem Sanskrit ausgeliehen.
Ich liebe die Tamil-Buchstaben und schreibe sie gerne. So schön verschnörkelt, erinnern sie mich an eine Zierschrift. Ich lerne visuell und die Buchstaben sind für mich wohl das Einfachste. Dafür bin ich beim Hören eine totale Nuss. Um zu sprechen und zu verstehen, wäre jedoch genau diese Fähigkeit von zentraler Bedeutung. Übung macht den Meister und Karthik scheint ein geduldiger Lehrer zu sein.
Das Erlernen von Tamil stellt mich vor folgende Hindernisse:
- Ich bin in meinem Alltag nicht gezwungen, Tamil zu sprechen, weil ich mit Englisch gut durchkomme.
- Ich bin Bernerin. Ja, Berndeutsch ist wirklich langsam und gemütlich! Tamil kommt mir oft vor wie das Rattern einer Nähmaschine auf höchster Geschwindigkeitsstufe. Da kommen meine Berner-Ohren gar nicht mit.
- Das Hoch-Tamil, das ich lerne, unterscheidet sich vom lokalen Dialekt, der in Chennai gesprochen wird. In Chennai werden Wörter miteinander verschmolzen und ich verstehe dann nur noch Bahnhof.
- Der Sprachklang ist total fremd. Manche Laute gibt es im Deutschen gar nicht. Wenn ich Hindi höre, tönt dies viel vertrauter.
Da ich hier selbst Deutschstunden gebe, sehe ich auch, wie andere Schwierigkeiten haben und straucheln. Eine neue Sprache lernt sich nicht einfach von selbst. Man muss sich dafür schon anstrengen, Zeit investieren und lernen. Vor allem jedoch muss man die Sprache anwenden und sprechen, um sie verinnerlichen zu können.
Wie schnell urteilt man doch: „Die lebt schon seit 20 Jahren in Deutschland und spricht kaum Deutsch!“ Meistens stammen genau diese Aussagen von Menschen, die nur ihre eigene Muttersprache beherrschen. Ich halte mich mit solchen Verurteilungen wohlweislich zurück.
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6 Antworten
Gestern habe ich meinem Mülheimer Mundartkreis erzählt, wie ich als Zugereister das alte Mülheimer Platt erlernte und darin eine Menge Texte verfasste. Ja, man muss dran bleiben. So mal eben und ab und zu geht nicht. Und es gehört sowas wie Liebe und Ehrgeiz dazu.
Nach meinen Erfahrungen mit Polnisch bin ich auch längst weg von „da lebt einer schon so lange in dem Land und spricht die Sprache nicht!“
Unser Alltag lief auf Deutsch und auf Englisch.
Langsam verliert sich mein Polnisch, aber tatsächlich denke ich, dass es recht leicht wieder reaktiviert werden kann, sollte ich es noch mal lernen wollen…
So schwer es ist, ist es auch so schön, eine Sprache zu lernen. Die Buchstaben in Tamil sind tatsächlich sehr schön. Ich liebe Bücher in Originalsprachen zu lesen Und finde Fremdsprachen einfach nur faszinierend. Es kostet Zeit und intensiven Training, klar, ist immer noch für mich als Kopf – Training auch wichtig. Liebe Grüße und viel Spaß beim Lernen 💖
🙏💕
Spannend und sieht sehr schön aus 🙂
Danke für deinen Artikel 🙂 Neulich habe ich auch ein gutes Buch zu dem Thema Sprachen lernen (bin hiervon selbst fasziniert), welches ich allen Fremdsprachbegeisterten empfehlen kann: Fluent Forever von Gabriel Wyner … es geht hier um allgemeine Strategien wie man eine neue Sprache angehen kann 🙂