Ich schwitze. Frisch geduscht sitze ich da, frustriert und genervt. Der Strom ist ausgefallen, wie so oft in letzter Zeit. Man weiss nicht, für wie lange. Es ist ungewiss, nicht berechenbar. Und ich muss mir eingestehen, dass die schweizerische Seite in mir damit Probleme hat. Mit der Zuverlässigkeit und der Sicherheit der Schweiz kann Indien nicht mithalten, nicht annähernd.
Ich dachte immer, ich bin in Indien geduldiger und “cooler” im Sinne von gelassener geworden und gestehe, dass dies in solchen Situationen definitiv nicht so ist. Dieser Gedanke frustriert mich irgendwie noch mehr.
Ohne Strom funktioniert bei uns keine Klimaanlage. Nur einige Ventilatoren werden über eine Inverter-Batterie aufrechterhalten. So dreht der Ventilator über mir verlangsamt seine Runden und bringt die bereits lauwarme Morgenluft in Bewegung. Auch heute steht wieder ein Hitzetag an. Seit Tagen klettert das Thermometer über 40 Grad, durch das tropische Klima fühlt es sich an wie 45!
Ich mag nicht mehr! Ich bin schon morgens müde. Gerne hätte ich ein Gewitter, das den langersehnten Regen und etwas Abkühlung bringt.
Es gibt etwas Hoffnung, denn der Südwest-Monsun hat in Kerala eingesetzt und wenn wir Glück haben, werden wir vielleicht etwas davon abbekommen – falls es die Regenwolken über die Western Ghats, die südindischen Berge, schaffen.
Ich habe schon viele Sommer in Chennai verbracht, aber so heiß und unerträglich habe ich keinen einzigen Sommer in Erinnerung. Natürlich stiegen auch früher die Temperaturen manchmal über 40 Grad, aber in dieser Häufigkeit? Nein!
Ich habe hier Privilegien, die viele nicht haben. Wir haben Klimaanlagen, Ventilatoren, die in der Regel auch funktionieren. Viele Menschen hier können sich dies nicht leisten. Sie müssen diese Hitze einfach ertragen, über sich ergehen lassen – Tag für Tag.
Als ich neulich wieder einmal früh morgens durch die Stadt fuhr – natürlich im klimatisierten Auto, sah ich so viele Menschen, die am Straßenrand auf Decken schliefen. Wie kann ich mich da beklagen?
Und da steigt das Gefühl der Dankbarkeit in mir auf. Was für ein Glück habe ich doch!
Indien polarisiert nicht nur im Außen – nein, auch in mir selbst, in meinen Gedanken, in meinen Gefühlen.
Namaste, ich bin Irène! Seit über 17 Jahren lebe ich in meiner Wahlheimat Indien. In dieser Zeit habe ich die indische Kultur lieben gelernt. Auf meinem Blog teile ich mein Insider-Wissen mit dir, damit du Indien authentisch, sicher und voller Respekt entdecken kannst. Hast du Fragen? Schreib mir einfach einen Kommentar! |